Chroniken

Chronik der Politischen Ereignisse 1989

  • "Aktuelle Kamera" vom 19.01.1989, Erich Honecker
  • "Aktuelle Kamera" vom 07.05.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 13.06.1989, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl
  • "Aktuelle Kamera" vom 06.10.1989, Michail Gorbatschow
  • Kommunique des neuen SED-Generalsekretärs Egon Krenz vom 18.10.1989
  • Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden in Berlin am 04.11.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 10.11.1989, Situation am Brandenburger Tor
  • "Aktuelle Kamera" vom 23.11.1989, Grenzkontrolle Berlin-Friedrichshain
  • "Aktuelle Kamera" vom 28.11.1989, Stefan Heym
  • "Aktuelle Kamera" vom 29.11.1989, Christa Wolf
  • Gregor Gysi auf dem außerordentlichen Parteitag der SED am 08.12.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 19.12.1989, Helmut Kohl in Dresden
  • "Aktuelle Kamera" vom 22.12.1989, Öffnung des Brandenburger Tors
  1. 11. Januar 20 ausreisewillige DDR-Bürger verlassen nach der Zusicherung von Straffreiheit die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin. Sie hatten ihre Ausreise erzwingen wollen.
  2. 19. Januar Vor dem Thomas-Müntzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer „in fünfzig oder hundert Jahren noch bestehen“ werde. Archivnachweis
  3. 6. Februar Bei seinem Fluchtversuch wird der 20jährige Chris Gueffroy in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar von DDR-Grenzsoldaten erschossen. Er ist das letzte Opfer des Schießbefehls an der Mauer.
  4. 3. März Die ständig in der DDR lebenden Ausländer erhalten das aktive und passive Wahlrecht bei Komunalwahlen.
  5. 8. März Bei einem Fluchtversuch aus der DDR mit einem selbst gebastelten Heißluftballon stürzt der 32-jährige Winfried Freudenberg über West-Berlin ab und erleidet tödliche Verletzungen.
  6. 12. März Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und Bundesbauminister Oscar Schneider sagen ihren geplanten Besuch bei der Leipziger Frühjahrsmesse ab. Sie protestieren damit gegen die von DDR-Soldaten zwei Tage zuvor auf flüchtende Bürger abgegebenen Schüsse.
  7. 16. März Die DDR-Regierung lädt aufgrund der Absage von Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und Bundesbauminister Oscar Schneider den Bundesumweltminister Klaus Töpfer zur Leipziger Frühjahrsmesse ein.
  8. 3. April Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.
  9. 17. April Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność wird in Polen nach langjährigem Verbot wieder zugelassen.
  10. 2. Mai Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen zu Österreich.
  11. 7. Mai Offizielle Bekanntgabe der Ergebnisse der Kommunalwahlen in der DDR. Danach entfallen 98,85 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der Einheitslisten. Von Oppositionellen werden zum ersten Mal Kontrollen vorgenommen und vielerorts Wahlfälschung festgestellt. Archivnachweis
  12. 2. Juni Das DDR-Außenministerium erklärt, das Ergebnis der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 sei korrekt.
  13. 4. Juni Das chinesische Militär beendet gewaltsam die monatelangen Studentenproteste und die Belagerung des Platzes des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Massaker). Archivnachweis
  14. Die ersten halbfreien Wahlen in Polen finden statt. Die Gewerkschaft Solidarność geht als klarer Gewinner aus den Wahlen hervor.
  15. 7. Juni Eine Demonstration gegen die Fälschung der Kommunalwahlergebnisse wird vom Staatssicherheitsdienst aufgelöst.
  16. 8. Juni Die DDR-Volkskammer bewertet das Tiananmen-Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als "Niederschlagung einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz des Militärs. Archivnachweis
  17. 12. Juni Besuch des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow vom 12. bis 15. Juni in Bonn, bei dem er zum Abschluss erklärt: „Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben".
  18. 27. Juni In einer symbolischen Aktion zerschneiden der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock den Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze bei Sopron und öffnen damit den Eisernen Vorhang. Die Grenzsperren werden zwar beseitig, die Grenzkontrollen bleiben jedoch bestehen. In der DDR kommt es zu einem verstärkten Flüchtlingsstrom nach Ungarn.
  19. 7. Juli Auf der ersten Ostblock-Gipfelkonferenz seit 1968 in Bukarest gesteht der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow jedem sozialistischen Staat die Souveränität zu. Die so genannte Breschnew-Doktrin vom November 1968 wird damit aufgegeben.
  20. 8. August Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin wird wegen Überfüllung für den Besucherverkehr geschlossen. In der Vertretung halten sich über 130 ausreisewillige DDR-Bürger auf.
  21. 10. August Die Lufthansa eröffnet die erste deutsch-deutsche Fluglinie zwischen Leipzig und Frankfurt am Main. Da die innerdeutsche Grenze nicht überflogen werden darf, muss die Maschine einen Umweg über die CSSR fliegen.
  22. 13. August In Budapest wird die Botschaft der Bundesrepublik wegen Überfüllung geschlossen. Rund 180 DDR-Bürger versuchen über diesen Weg eine Ausreise in den Westen zu erwirken.
  23. 19. August Anlässlich des „Paneuropäischen Picknicks“ in Ungarn flüchten etwa 900 DDR-Bürger über die „grüne Grenze“ nach Österreich.
  24. 22. August Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. Rund 140 Bürger der DDR wollen über die Botschaft in den Westen aussiedeln.
  25. 24. August Durch eine einmalige humanitäre Aktion der ungarischen Regierung erhalten 108 DDR-Bürger, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik aufhalten, die Ausreisegenehmigung in den Westen. Archivnachweis
  26. 4. September Die erste Montagsdemonstration in Leipzig findet im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Die Demonstrationsteilnehmer fordern Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
  27. 7. September Auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin wird gegen die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte nehmen etwa 80 Personen vorübergehend fest.
  28. 8. September Alle DDR-Bürger, die in den vergangenen Wochen Zuflucht in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin gesucht hatten, verlassen diese freiwillig. Ihnen wurde im Namen der DDR-Regierung von Rechtsanwalt Wolfgang Vogel Straffreiheit und juristische Hilfe versprochen.
  29. 10. September Veröffentlichung des Gründungsaufrufs "Aufbruch 1989 - Neues Forum".
  30. 11. September Ohne Absprache mit der DDR-Regierung lässt Ungarn in der Nacht vom 10. auf den 11. September alle ausreisewilligen DDR-Bürger die Grenze zum Westen passieren.
  31. 12. September Die DDR-Regierung protestiert gegen die Öffnung der ungarischen Grenze für Bürger der DDR und bezeichnet die Vorgänge als "organisierten Menschenhandel".
  32. Aufruf zur Gründung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) in der DDR.
  33. 19. September Als erste Oppositionsgruppe beantragt das Neue Forum die offizielle Zulassung als Vereinigung in der DDR.
  34. In Warschau muss die Botschaft der Bundesrepublik wegen Überfüllung mit ausreisewilligen DDR-Bürgern vorübergehend geschlossen werden.
  35. 20. September Die Zulassung des Neuen Forums als Vereinigung wird wegen angeblicher "Verfassungswidrigkeit“ abgelehnt. Archivnachweis
  36. 25. September Demonstration in Leipzig für Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums.
  37. 26. September Einige DDR-Bürger verlassen die Botschaft der Bundesrepublik in Prag und kehren in die DDR zurück. Es wird ihnen die Ausreise in den Westen innerhalb von sechs Monaten zugesichert.
  38. 30. September Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag, dass alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau befinden, ausreisen dürfen. Die Ausreiseerlaubnis ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Außenministern der UdSSR, DDR, CSSR, Polens und der Bundesrepublik am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Archivnachweis
  39. 1. Oktober In Ost-Berlin wird die Oppositionsgruppe Demokratischer Aufbruch (DA) gegründet.
  40. Sonderzüge aus Warschau und Prag mit DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR. DDR-Bürger versuchen auf die Züge aufzuspringen.
  41. 2. Oktober Die bisher größte Demonstration für Demokratie in Leipzig wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.
  42. 3. Oktober Die DDR-Regierung setzt den visumsfreien Reiseverkehr mit der Tschechoslowakei vorübergehend bis 11. November 1989 aus. Archivnachweis
  43. 4. Oktober Sonderzüge aus Prag und Warschau befördern erneut DDR-Flüchtlinge über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik. Auf dem Transportweg befindliche Bahnhöfe und Gleise werden gesperrt, um zu verhindern, dass DDR-Bürger auf die Züge aufspringen.
  44. Am Dresdner Hauptbahnhof kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Ausreisewilligen und DDR-Sicherheitskräften, weil tausende DDR-Bürger auf die Sonderzüge in die Bundesrepublik aufspringen wollen. Archivnachweis
  45. 7. Oktober 40. Jahrestag der DDR. Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow nimmt an den Festveranstaltungen zum Jubiläum teil und tritt vor die Presse. Er wird später mit dem Ausspruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ zitiert, den er wörtlich so nie gesagt hat. Archivnachweis
  46. In mehreren Städten der DDR finden Demonstrationen für Meinungsfreiheit und Reformen statt, die von DDR-Sicherheitskräften aufgelöst werden. Es erfolgt die Festnahme von über tausend Demonstranten.
  47. Die Sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR gründet sich in Schwante bei Berlin.
  48. 9. Oktober Rund 70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig für eine demokratische Erneuerung des Landes ("Wir sind das Volk - keine Gewalt"). Erstmals halten sich die Sicherheitskräfte zurück. Archivnachweis
  49. In Dresden empfängt Oberbürgermeister Berghofer (SED) eine Abordnung der Demonstranten, die ihm einen Forderungskatalog übergibt.
  50. 16. Oktober In Leipzig findet die bislang größte Demonstration mit mehr als 120.000 Menschen statt. Erneut halten sich die Sicherheitskräfte zurück. Archivnachweis
  51. 18. Oktober Rücktritt Erich Honeckers von all seinen Ämtern und Rücktritt des Politbüromitglieds Günter Mittag sowie des ZK-Sekretärs für Agitation und Propaganda Joachim Herrmann auf der 9. Tagung des Zentralkomitees der SED.
  52. Der neue SED-Generalsekretär Egon Krenz wendet sich über das Fernsehen mit einem Kommuniqué an die Bürger der DDR. Er räumt ein, dass die SED in den zurückliegenden Monaten die reale Lage verkannt habe und verspricht, eine "Wende" einzuleiten. Archivnachweis
  53. 23. Oktober Rund 300.000 Menschen demonstrieren in Leipzig am Abend vor der Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden. Archivnachweis
  54. 24. Oktober Die DDR-Volkskammer wählt Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Archivnachweis
  55. 27. Oktober Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und Demonstrationsteilnehmer. Archivnachweis
  56. 28. Oktober Konstituierung der DDR-Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) als landesweite Organisation
  57. 3. November Erneute Ausreisewelle von DDR-Bürgern nach Beschluss der DDR-Regierung, dass Ausreisewillige das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei verlassen können.
  58. 4. November Bei der genehmigten Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden für mehr Demokratie versammeln sich auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz über 500.000 Menschen. Es sprechen unter anderem Stefan Heym, Christoph Hein und Christa Wolf. Auf Vorbehalte stoßen Redner wie Markus Wolf und vor allem Günter Schabowski, der mehrfach ausgepfiffen wird. Das Fernsehen der DDR überträgt die Veranstaltungen direkt und unangekündigt. Archivnachweis
  59. 6. November In der Presse der DDR wird der Entwurf für ein neues Reisegesetz veröffentlicht. Nach heftiger öffentlicher Kritik verwirft der zuständige Volkskammerausschuss die Vorlage bereits am nächsten Tag. Archivnachweis
  60. In Leipzig demonstrieren hunderttausende von Bürgern der DDR für unbeschränkte Reisemöglichkeiten, die Aufgabe des Führungsanspruchs der SED und freie Wahlen.
  61. 7. November Der DDR-Ministerrat tritt geschlossen zurück. Archivnachweis
  62. 8. November Rücktritt des Politbüros auf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED. Wahl eines verkleinerten Politbüros. Egon Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. Archivnachweis
  63. 9. November Direktübertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski zum Verlauf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED mit Aussage zur Grenzöffnung. Auf eine Nachfrage erklärt Schabowski, der Beschluss trete nach seiner Kenntnis "sofort, unverzüglich" in Kraft. Archivnachweis
  64. Kurz vor Mitternacht öffnen sich die ersten Schlagbäume an der Berliner Mauer. Daraufhin drängen Tausende von Ost-Berlinern nach West-Berlin.
  65. 10. November Millionen von Bürgern der DDR besuchen nach der Maueröffnung West-Berlin und die grenznahen Städte der Bundesrepublik. Archivnachweis
  66. Bundeskanzler Helmut Kohl spricht am Abend vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin. Von dieser Kundgebung wird der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt oft mit dem nicht gesagten Satz "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" zitiert. Archivnachweis
  67. 12. November In mehreren Städten der DDR finden Kundgebungen und „Aktivtagungen“ der SED statt, auf denen die Basis für eine "Erneuerung der Partei von unten" plädiert. Auf einer Demonstration in Dresden verabschieden SED-Mitglieder den 1. Sekretär der Bezirksleitung in Dresden Hans Modrow nach Berlin. Archivnachweis
  68. 13. November Die Volkskammer wählt Hans Modrow zum neuen Ministerpräsidenten.
  69. Rücktritt von Volkskammerpräsident Horst Sindermann. In erstmals geheimer Abstimmung wird Günther Maleuda (Vorsitzender der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands) zu seinem Nachfolger gewählt. Archivnachweis
  70. Abberufung des amtierenden Ministerrates auf der 11. Tagung der 9. Volkskammer. Die ehemaligen Mitglieder des Ministerrats Willi Stoph, Ernst Höfner, Gerhard Schürer und Erich Mielke beantworten Fragen der Abgeordneten und versuchen sich zu rechtfertigen. Originalton Erich Mielke: "Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen..." Archivnachweis
  71. 17. November Ministerpräsident Hans Modrow stellt die Mitglieder seines Kabinetts vor und kündigt in seiner Regierungserklärung weitgehende Reformen an. Archivnachweis
  72. Hans Modrow schlägt der Bundesregierung in seiner Regierungserklärung in Bezug auf die Deutschlandfrage einen Ausbau der Beziehungen hin zu einer Vertragsgemeinschaft vor. Er distanzierte sich zu diesem Zeitpunkt eindeutig von einer möglichen deutschen Wiedervereinigung.
  73. 18. November Das Ministerium für Staatssicherheit wird durch das Amt für Nationale Sicherheit ersetzt.
  74. 20. November Über 200.000 Menschen haben durch ihre Unterschrift ihre Zustimmung zum Aufruf der Oppositionsgewegung "Neues Forum" ausgedrückt.
  75. 23. November Auf Beschluss des Ministerrats werden Zollkontrollen eingeführt, um den Ausverkauf von DDR-Produkten zu verhindern. Archivnachweis
  76. 26. November Mit dem Appell „Für unser Land“ rufen Intellektuelle aus der DDR dazu auf, die Eigenständigkeit der DDR zu bewahren und eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln. Archivnachweis
  77. 28. November Bundeskanzler Helmut Kohl legt dem Bundestag sein „Zehn-Punkte-Programm“ zur Deutschlandpolitik vor. Archivnachweis
  78. 29. November Dem Appell "Für unser Land" schließen sich SED-Generalsekretär Egon Krenz sowie der DDR-Ministerpräsident Hans Modrow an.
  79. 1. Dezember Das „Zehn-Punkte-Programm“ zur Überwindung der Teilung Deutschlands wird im Bundestag ohne die Stimmen der SPD und der Grünen gebilligt. Archivnachweis
  80. Die DDR-Volkskammer beschließt auf ihrer 13. Tagung den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung zu streichen. Im Artikel 1, Absatz 1, zweiter Halbsatz wird der Passus "unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei" getilgt. Archivnachweis
  81. 3. Dezember Die 12. Tagung des Zentralkomitees der SED beschließt die Auflösung von Politbüro und Zentralkomitee sowie den Parteiausschluss von Erich Honecker, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und weiteren Funktionären. Archivnachweis
  82. Die ehemaligen Politbüromitglieder Günter Mittag und Harry Tisch sowie die Bezirkssekretäre Gerhard Müller und Hans Albrecht werden verhaftet.
  83. 4. Dezember Bürger dringen in die Gebäude des Staatssicherheitsdienstes in Erfurt, Leipzig und weiteren Orten ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern. Archivnachweis
  84. 5. Dezember Die CDU der DDR und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) geben ihren Austritt aus dem "Demokratischen Block der Parteien und Massenorganisationen" bekannt.
  85. 6. Dezember Rücktritt von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzender. Nachfolger wird der Vorsitzende der LDPD Manfred Gerlach.
  86. 7. Dezember Auftakt zum Runden Tisch mit Vertretern der fünf ehemaligen Blockparteien und sieben Oppositionsgruppierungen. Im Ergebnis des Treffens in Ost-Berlin sprechen sich die Teilnehmer für die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit aus und dafür, die ersten freien Wahlen am 6. Mai 1990 abzuhalten. Archivnachweis
  87. 8. Dezember Der außerordentliche SED-Parteitag in Ost-Berlin spricht sich gegen die Parteiauflösung aus. Archivnachweis
  88. Gregor Gysi wird auf dem außerordentlichen SED-Parteitag zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreter werden Hans Modrow und der Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer.
  89. 11. Dezember Bei den traditionellen Montagsdemonstrationen in der DDR wird der Ruf nach Wiedervereinigung lautstark erhoben.
  90. 15. Dezember Der am 12. November gewählte Lothar de Maizière wird als Parteivorsitzender der CDU in der DDR bestätigt.
  91. 16. Dezember Auf dem Sonderparteitag der SED benennt sich die Partei in SED-PDS (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus) um.
  92. Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruchs (DA) in Leipzig. Zum Vorsitzenden wird Wolfgang Schnur gewählt.
  93. 19. Dezember Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Hans Modrow vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft bei einem Treffen in Dresden. Archivnachweis
  94. Helmut Kohl hält anläßlich seiner Reise nach Dresden eine Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche.
  95. 22. Dezember Wiedereröffnung des Brandenburger Tors in Berlin. Archivnachweis
  96. 24. Dezember Die Einreise von Bundesbürgern und West-Berlinern in die DDR ist wieder ohne Visum und Zwangsumtausch möglich.

Chronik des DDR-Fernsehens 1989

  • "Aktuelle Kamera" vom 07.05.1989, Egon Krenz verliest das Wahlergebnis
  • "Aktuelle Kamera" vom 04.06.1989, Mathias Ehrich aus Peking
  • "Aktuelle Kamera" vom 8.06.1989, Angelika Unterlauf
  • "Aktuelle Kamera" vom 24.08.1989, Hans-Dieter Lange
  • "Elf99" vom 01.09.1989, Vorspann-Logo
  • "Die Menthol-Zigaretten-Story" vom 04.01.1990
  • "Klartext" vom 12.02.1990, Dresdner Hauptbahnhof 4./5. Oktober 1989
  • "Der deutsche Friedensstaat" vom 05.10.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 17.10.1989, Günter Wendland im Interview
  • "Radar" vom 23.10.1989
  • Aktentasche von Karl-Eduard von Schnitzler
  • "Objektiv" vom 02.11.1989, Grenzübergangsstelle Hegyeshalon (Ungarn)
  • Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden in Berlin am 04.11.1989
  • "Klartext" vom 06.11.1989, Verfallener Altbau in Leipzig
  • "Aktuelle Kamera" vom 09.11.1989, Günter Schabowski
  • "Aktuelle Kamera" vom 10.11.1989, Hartmut Bartz am Brandenburger Tor
  • "Ozon. Das Umweltmagazin" vom 21.11.1989
  • „Geschlossene Gesellschaft“ (1978) von Frank Beyer
  • "Mit dem Gesicht zum Volke" vom 18.12.1989
  • Das Studio von "Mobil" mit dem Moderator Andreas Brückner, Foto: DRA/Sandau
  • "Der scharfe Kanal" vom 31.12.1989
  1. 19. Januar Bericht der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“: Vor dem Thomas-Müntzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer „in fünfzig oder hundert Jahren noch bestehen“ werde. Archivnachweis
  2. 7. Mai Der Leiter der Zentralen Wahlkommission Egon Krenz verliest im Fernsehen der DDR das vorläufige Ergebnis der Kommunalwahlen. Danach entfallen 98,85 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der Nationalen Front. Archivnachweis
  3. 30. Mai Die „Aktuelle Kamera“ berichtet über das erste Konzert der Berliner Philharmoniker in Ostberlin seit dem Mauerbau 1961.
  4. 4. Juni Das chinesische Militär beendet in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni gewaltsam die Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking (Tiananmen-Massaker). Das Fernsehen der DDR hält sich in der „Aktuellen Kamera“ in einem Telefonbeitrag von Mathias Ehrich an die Meldungen des chinesischen Fernsehens. Hiernach hätten Truppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee einen „konterrevolutionären Aufruhr“ „zur Verteidigung der Sicherheit der Hauptstadt, der sozialistischen Ordnung und der Interessen des Volkes niedergeschlagen“, „wobei einige die wahre Situation verkannten. Es habe Tote und Verletzte gegeben.“ Archivnachweis
  5. 8. Juni Die „Aktuelle Kamera“ berichtet über die 9. Tagung der Volkskammer der DDR, in der die Abgeordneten eine Erklärung zu den Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking abgeben: „Die Abgeordneten der Volkskammer stellen fest, dass in der gegenwärtigen Lage die von der Partei- und Staatsführung der Volksrepublik China beharrlich angestrebte politische Lösung innerer Probleme infolge der gewaltsamen, blutigen Ausschreitungen verfassungsfeindlicher Elemente verhindert worden ist. Infolge dessen sah sich die Volksmacht gezwungen, Ordnung und Sicherheit unter Einsatz bewaffneter Kräfte wiederherzustellen. Dabei sind bedauerlicherweise zahlreiche Verletzte und auch Tote zu beklagen.“ Archivnachweis
  6. 12. Juni In der Sendereihe „Der schwarze Kanal“ polemisiert Karl-Eduard von Schnitzler gegen die westliche Berichterstattung zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking und spricht von „Konterrevolution“. Archivnachweis
  7. 5. August Im DDR-Fernsehen wird erstmals Stellung zu Botschaftsflüchtlingen genommen. Archivnachweis
  8. 24. August In der „Aktuellen Kamera“ wird in einem Kommentar des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes (ADN) dem Westfernsehen vorgeworfen, mit der Berichterstattung über den Aufenthalt von DDR-Bürgern in BRD-Botschaften und deren Ausreise „Menschen zu verführen und in ein ungewisses Schicksal zu treiben“. Archivnachweis
  9. 1. September Die erste Sendung des Jugendmagazins „Elf 99“ wird im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Archivnachweis
  10. 4. September Karl-Eduard von Schnitzler bezeichnet in der Sendereihe „Der schwarze Kanal“ die Berichte der BRD-Medien über die Ausreisewelle aus der DDR als „Einmischung“. Archivnachweis
  11. 21. September Das „Neue Deutschland“ veröffentlicht ein Interview mit dem Mitropa-Koch H. Ferworn, der behauptet, von „Menschenhändlern“ nach Wien entführt worden zu sein. Man habe ihn mit einer präparierten Menthol-Zigarette betäubt. Am 3. November 1989 entschuldigt sich das „Neue Deutschland“ bei seinen Lesern für den Abdruck der Geschichte. Am 4. Januar 1990 wird dem Thema im Fernsehen der DDR eine Reportage mit dem Titel „Die Menthol-Zigaretten-Story. Eine Geschichte aus der alten DDR“ gewidmet. Archivnachweis
  12. 30. September Bericht der „Aktuellen Kamera“ über den Beschluss, dass die DDR-Flüchtlinge, die sich in den Botschaften der BRD in Prag und Warschau aufhalten, in die BRD ausreisen dürfen. Archivnachweis
  13. 2. Oktober Die „Aktuelle Kamera“ sendet einen Kommentar zu den Ausreisegenehmigungen aus der Warschauer und Prager Botschaft, in dem sie BRD-Außenminister Hans-Dietrich Genscher eine Inanspruchnahme des Ruhmes vorwirft. Archivnachweis
  14. 3. Oktober Kommentar in der „Aktuellen Kamera“ zur vorübergehenden Aussetzung des visumfreien Verkehrs zwischen der DDR und der Tschechoslowakei. Olaf Dietze begründet die Entscheidung mit einer „Verleumdungskampagne“, die „mit dem Ziel der Manipulierung der Menschen im Sinne der Bonner Politik“ geführt werde. Archivnachweis
  15. 4. Oktober Kommentar der „Aktuellen Kamera“ über die neuerliche Entscheidung der DDR-Regierung, Flüchtlinge, die sich in der BRD-Botschaft in Prag befinden, mit Sonderzügen ausreisen zu lassen. Götz Förster polemisiert gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in BRD-Botschaften: "Bonn bricht das Völkerrecht" Archivnachweis
  16. Die DDR Fernsehjournalisten Susanne Köpcke, Janos Gyarmati und Julia Kuhnert beobachten zufällig die Ereignisse am Dresdener Hauptbahnhof in der Nacht vom 4. zum 5. Oktober, wo es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Ausreisewilligen sowie Demonstranten und den DDR-Sicherheitskräften kommt. Sie nehmen die Berichterstattung auf. Am nächsten Tag in Berlin wird das Material für die Verwendung gesperrt. Erst in der „Klartext“-Reportage „Nanu, Herr Bergatschow“ am 12. Februar 1990 werden Ausschnitte des Materials gesendet. Archivnachweis
  17. 5. Oktober Fernsehdiskussion „Der deutsche Friedensstaat“ zum 40. Jahrestag der DDR mit Otto Reinhold, Erich Hahn, Karl-Eduard von Schnitzler und Max Schmidt. Über die Medien hatte man im Vorfeld der Sendung angekündigt, dass Zuschauer telefonisch Fragen zur Politik an die Gäste stellen dürften. Die Gesprächsrunde sollte der Startschuss für eine Diskussion über die Situation im Lande sein. Kurz vor der Sendung lässt Erich Honecker anordnen, dass alle kritischen Fragen zu unterbleiben hätten. Die Sendung gerät zur Farce. Zur Premiere der Sendereihe das „Donnerstag-Gespräch“ am 19. Oktober 1989 findet die Gesprächsrunde in fast gleicher Besetzung noch einmal statt. Archivnachweis
  18. 8. Oktober Der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ADN) vermeldet zu den Demonstrationen am Jahrestag der DDR-Gründung am 7. Oktober in Berlin, dass „Randalierer“ versucht hätten, die Volksfeste zum 40. Jahrestag zu stören. Archivnachweis
  19. 9. Oktober Erster Bericht der „Aktuellen Kamera“ über die Demonstrationen im Land. Kommentator Olaf Dietze bezeichnet die Demonstranten als „Randalierer“. Archivnachweis
  20. Kurt Masur verliest den „Appell der Sechs“ über den Sender Leipzig, der von ihm, von Peter Zimmermann, Bernd-Lutz Lange, Jochen Pommert, Roland Wötzel und Kurt Meyer verfasst ist. Die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen und die Sicherheitskräfte werden darin zur Besonnenheit aufgerufen. Archivnachweis
  21. 11. Oktober Das Präsidium des Schriftstellerverbandes der DDR verabschiedet eine Resolution, in der es Reformen fordert und bekundet: „Die Ignoranz der Medien ist unerträglich.“
  22. Alle Sender des Rundfunks der DDR bringen im Abendprogramm den Wortlaut der Erklärung des Politbüros des ZK der SED, in der die Probleme im Land zum ersten Mal offiziell benannt werden.
  23. 13. Oktober Die letzte Folge der Reihe „Wettlauf mit der Zeit“ wird im Fernsehen der DDR gesendet. Archivnachweis
  24. 16. Oktober Der Radiosender DT 64 ruft seine Hörer zu allen Formen der Meinungsäußerung zu den Tagesereignissen auf und berichtet in seiner Nachmittagssendung „direkt“ als einziger zentraler Sender in einem Live-Bericht über das Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. Archivnachweis
  25. Beim Sender Leipzig kommt es erstmals zu einer Live-Berichterstattung von den Montagsdemonstrationen. Archivnachweis
  26. 17. Oktober Interview der „Aktuellen Kamera“ mit Generalstaatsanwalt Günter Wendland zu den Behauptungen, dass Bürger wegen der Teilnahme an Demonstrationen von der Polizei misshandelt worden seien. Archivnachweis
  27. 18. Oktober Rücktritt von Erich Honecker, Günter Mittag und Joachim Herrmann, dem ZK-Sekretär für Agitation und Propaganda.
  28. Der neue SED-Generalsekretär Egon Krenz wendet sich über das Fernsehen mit einem Kommuniqué an die Bürger der DDR. Er spricht auch eine offenere Berichterstattung der Journalisten im Land an. Archivnachweis
  29. 19. Oktober Erste Sendung vom „Donnerstag-Gespräch“ mit einer Gesprächsrunde mit Otto Reinhold, Erich Hahn, Karl-Eduard von Schnitzler und Max Schmidt. Zuschauer können den Gästen telefonisch Fragen stellen. Die Sendung hatte in ähnlicher Besetzung bereits am 5. Oktober stattgefunden, bei dieser durften die Teilnehmer allerdings keine kritischen Fragen beantworten. Archivnachweis
  30. Der Verband der Journalisten der DDR (VDJ) fordert eine Wende in der Medienpolitik.
  31. Der Verband der Film- und Fernsehschaffenden (VFF) fordert „ein vom Volk akzeptiertes Fernsehen“.
  32. Die Funktion des Sekretärs für Agitation in der SED-Führung wird mit dem Rücktritt Joachim Herrmanns abgeschafft. Die Agitationskommission und die Abteilung Agitation beim ZK der SED werden aufgelöst. Die zentrale „Anleitung“ der Massenmedien findet damit ihr Ende.
  33. Radio DDR 1 sendet in Abänderung des Programms die erste Folge der Live-Diskussionsrunde „Debatte“ mit dem Thema: „Welche Chancen gibt es für einen Neubeginn?“
  34. 23. Oktober Die letzte Folge des militärpolitischen Magazins „Radar“ wird im Fernsehen der DDR gesendet. Archivnachweis
  35. 24. Oktober Fernsehen und Rundfunk der DDR übertragen erstmals ganztägig aus der Volkskammer. Archivnachweis
  36. 30. Oktober Nach fast 30 Jahren wird die Propagandasendung „Der schwarze Kanal“ von und mit Karl-Eduard von Schnitzler aus dem Programm genommen. Die 1519. Folge dauert keine fünf Minuten. Archivnachweis
  37. Die neue Nachrichtensendung „AK zwo“ startet im zweiten Programm des DDR-Fernsehens. Archivnachweis
  38. 31. Oktober Alle DDR-Radiosender strahlen die Verlesung einer Erklärung der Parteiaktivtagung des Rundfunks der DDR aus, in der die Rundfunkjournalisten eine „einseitige, geschönte Berichterstattung“ zugeben und sich dazu bekennen, „dass wir in der Vergangenheit der hohen Verantwortung nicht gerecht geworden sind“. Archivnachweis
  39. 2. November Das Fernsehmagazin „Objektiv“ berichtet über die Flucht von DDR-Bürgern über Ungarn. Archivnachweis
  40. Bei Radio DDR I wird die Sendereihe „Das Wirtschaftsmagazin“ eingestellt, bei Radio DDR II die Sendung „Das Wort auf der Waage“, die seit 1979 bestand und sich mit den West-Medien auseinandersetzte.
  41. 3. November Das „Neue Deutschland“ entschuldigt sich bei seinen Lesern für den Abdruck eines Interviews mit dem Mitropa-Koch H. Ferworn am 21. September 1989, der behauptet hatte, von „Menschenhändlern“ nach Wien entführt worden zu sein. Am 4. Januar 1990 wird dem Thema im Fernsehen der DDR eine Reportage mit dem Titel „Die Menthol-Zigaretten-Story. Eine Geschichte aus der alten DDR“ gewidmet. Archivnachweis
  42. Wolfgang Lippe verliest in der „AK zwo“ eine Erklärung der SED-Kreisleitung, in der sich das Fernsehen der DDR für die Berichterstattung der Vergangenheit entschuldigt. Archivnachweis
  43. 4. November Das Fernsehen der DDR, Radio DDR 1 und der Berliner Rundfunk übertragen die größte Demonstration im Herbst 1989 live vom Alexanderplatz. Bei der Kundgebung der Kulturschaffenden sprechen unter anderem Stefan Heym, Christoph Hein, Christa Wolf, Markus Wolf und Günter Schabowski. Archivnachweis
  44. Auf „Stimme der DDR“ startet das „Öko-Magazin“.
  45. 5. November Die Reportage zur Ausreiseproblematik „Warum wollt ihr weg?“ läuft im Fernsehen der DDR. Archivnachweis
  46. 6. November Erste Sendung der Fernsehmagazin- und Reportagereihe „Klartext“ mit dem Thema „Ist Leipzig noch zu retten?“ über den Verfall der Altbausubstanz der Stadt. Zum ersten Mal wird dieses Thema im Fernsehen der DDR offen angesprochen. Archivnachweis
  47. 7. November Der Schriftsteller Stefan Heym tritt zum ersten Mal wieder im Fernsehen der DDR auf. Er liest „Märchen für kluge Kinder“. Archivnachweis
  48. 8. November Der neue SED-Generalsekretär Egon Krenz kritisiert die bisherige Medienpolitik.
  49. Im Frühprogramm der Stimme der DDR wird letztmalig die Kommentarreihe „Einblicke“ ausgestrahlt, die die West-Medien kommentierte. Stattdessen kommt eine „Presseschau“ neu ins Programm.
  50. Die Schriftstellerin Christa Wolf fordert in einem Fernsehappell die ausreisewilligen DDR-Bürger zum Bleiben auf. Archivnachweis
  51. 9. November Direktübertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski zum Verlauf und den Beschlüssen der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED: "... haben wir uns entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Archivnachweis
  52. Eine Aufzeichnung der „AK zwo“ wird täglich über 3sat ausgestrahlt.
  53. 10. November Rundfunk und Fernsehen der DDR berichten über die offenen Grenzübergänge. Archivnachweis
  54. 12. November Das Fernsehen der DDR sendet die Lesung des Schauspielers Ulrich Mühe im Deutschen Theater in Ostberlin aus dem autobiografischen Bericht von Walter Janka „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“. Das Buch erschien vor den Ereignissen des Herbstes 1989 in der Bundesrepublik, durfte in der DDR jedoch nicht verlegt werden. Archivnachweis
  55. 13. November Auf der 11. Tagung der 9. Volkskammer der DDR, die vom Fernsehen direkt übertragen wird, treten Volkskammerpräsident Horst Sindermann und alle Präsidiumsmitglieder zurück. Die Volkskammer wählt Günther Maleuda zum neuen Präsidenten der Volkskammer. Zudem treten alle Mitglieder des Ministerrats zurück und Hans Modrow wird zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates der DDR gewählt. Willi Stoph, Ernst Höfner, Gerhard Schürer und Erich Mielke beantworten auf der Tagung Fragen der Abgeordneten und versuchen sich zu rechtfertigen. Erich Mielke spricht die oft zitierten Worte: „Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen. Na ich liebe doch, ich setze mich doch dafür ein!" Archivnachweis
  56. 16. November In Stimme der DDR wird die erste Sendung der wöchentlichen Radio-Gesprächsrunde „Klartext“ gesendet.
  57. 17. November Direktübertragung von der zweitätigen 12. Tagung der 9. Volkskammer der DDR mit der Wahl des Ministerrats der DDR und der Regierungserklärung von Ministerpräsident Hans Modrow. Archivnachweis
  58. 20. November DT 64 und SFB II strahlen ihre Frühsendungen Morgenrock und Morgenecho gemeinsam aus dem Funkhaus Nalepastraße in Ostberlin aus.
  59. 21. November Erste Sendung des Umweltmagazins „Ozon“ im Fernsehen der DDR. Archivnachweis
  60. Die SED-Kreisleitung im Fernsehen der DDR erklärt geschlossen ihren Rücktritt. Auch Heinz Adameck, Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Fernsehen, verabschiedet sich aus dieser Funktion.
  61. 23. November Die Sendung „Prisma“ im DDR-Fernsehen erzielt mit 32,1 Prozent ihre höchste gemessene Einschaltquote seit ihrem Bestehen. Thema der Folge waren unter anderem die Privilegien des früheren Ersten Sekretärs der SED-Bezirksleitung Erfurt, Gerhard Müller, zu denen die Nutzung eines Jagdschlosses im Thüringer Wald gehörte. Archivnachweis
  62. Das Jugendmagazin „Elf 99“ sendet eine Reportage aus der Regierungssiedlung Wandlitz, nachdem der erste Versuch in der Siedlung zu filmen am 21. November 1989 vor laufender Kamera gescheitert war. Archivnachweis
  63. Stimme der DDR und Deutschlandfunk schalten sich um 6.45 Uhr zusammen und gestalten für einige Minuten erstmals ein gemeinsames Frühprogramm.
  64. 28. November Kooperationsvereinbarungen zwischen dem Sender Rostock und dem NDR, dem Sender Leipzig und dem NDR-Landesstudio Hannover und zwischen dem Sender Weimar und dem Hessischen Rundfunk kommen zustande.
  65. Der Sender DT 64 und das Jugendmagazin „Elf 99“ schalten sich für ein Interview mit dem Sänger Udo Lindenberg im Jugendradio zusammen. Lindenberg ist das erste Mal nach sechs Jahren wieder in der DDR. Archivnachweis
  66. 30. November Der Ministerrat der DDR beschließt auf Weisung Modrows die Auflösung der Staatlichen Komitees für Rundfunk und Fernsehen.
  67. Hans Modrow beruft Hans Bentzien und Manfred Klein zum 1. Dezember als neue Generalintendanten für Fernsehen und Rundfunk.
  68. 1. Dezember Hans Bentzien und Manfred Klein werden neue Generalintendanten für Fernsehen und Rundfunk.
  69. Die Träger von 3sat laden das Fernsehen der DDR ein, sich an dem Kulturkanal zu beteiligen.
  70. Das erste Konzert von Wolf Biermann in der DDR, dreizehn Jahre nach seiner Ausbürgerung, wird im Fernsehen der DDR gesendet. Archivnachweis
  71. 2. Dezember Bei Radio DDR 1 startet die Diskussionsrunde „Für und Wider – Politik am Runden Tisch“. Archivnachweis
  72. 3. Dezember Der Fernsehfilm „Geschlossene Gesellschaft“, der nur einmal, am 29. November 1978, im Fernsehen der DDR ausgestrahlt werden durfte, wird gesendet. Archivnachweis
  73. 6. Dezember Die Fernsehreihe „Modekiste“ wird zum letzten Mal im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Archivnachweis
  74. Sendung eines Treffens des „Elf 99“-Teams mit Vertretern der Soldaten des Wachregiments Felix Dzierzynski, deren Kasernen nur wenige Meter neben dem Gelände des Deutschen Fernsehfunks liegen. Die Soldaten erklären, „missbraucht“ und „betrogen“ worden zu sein und bekennen sich zu den revolutionären Veränderungen im Land. Archivnachweis
  75. 7. Dezember „Elf 99“ sendet die Reportage "’Sesam öffne dich’ - Mitarbeiter für nationale Sicherheit sagen aus“ aus dem ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an der Normannenstraße. Archivnachweis
  76. Radio DDR ändert sein Pogramm und berichtet teilweise live von der ersten Tagung des Zentralen Runden Tisches in Berlin. Das Fernsehen überträgt erst die folgenden Tagungen. Archivnachweis
  77. 8. Dezember Rundfunk und Fernsehen der DDR berichten letztmals vollständig vom Parteitag der SED. Auf dem außerordentlichen Parteitag in Berlin am 8. und 9. Dezember wird eine Parteiauflösung abgelehnt. Gregor Gysi wird neuer Vorsitzender der SED. Archivnachweis
  78. 9. Dezember Die Ursendung des im April 1989 produzierten Hörspiels „Kahlköpfe“ von Andreas Golle, das nicht ausgestrahlt werden durfte, findet im Rundfunk der DDR statt. Archivnachweis
  79. 11. Dezember In der DDR-Programmzeitschrift „FF dabei“ erscheinen erstmals auch die westdeutschen Programme.
  80. 12. Dezember Eine Arbeitsgruppe Fernsehversorgung wird eingesetzt, die Lösungsvorschläge für einen erweiterten Empfang von Ost- und West-Fernsehen ausarbeiten soll.
  81. 18. Dezember Die erste Folge der Wahl-Sendereihe „Mit dem Gesicht zum Volke“ wird im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Archivnachweis
  82. 20. Dezember Der Ministerrat der DDR fasst den „Beschluss über das Fernsehen der DDR und den Rundfunk der DDR vom 21. Dezember 1989“ als Rechtsnachfolge der beiden Staatlichen Komitees für Fernsehen und Rundfunk.
  83. Der Berliner Rundfunk sendet das 1976 produzierte aber nicht gesendete Hörspiel „Der Aufstieg auf den Fudschijama“. Archivnachweis
  84. 21. Dezember Das Pioniermagazin „mobil“ wird zum letzen Mal im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Archivnachweis
  85. Das bisherige Staatliche Komitee für Rundfunk trägt ab sofort den Namen „Rundfunk der DDR“ und das Staatliche Komitee für Fernsehen nennt sich „Fernsehen der DDR“.
  86. 22. Dezember Das Fernsehen sendet eine Direktübertragung von der Öffnung des Brandenburger Tors. Archivnachweis
  87. 31. Dezember Mit dem „Scharfen Kanal“ sendet das Fernsehen der DDR wieder politisches Kabarett. Archivnachweis
  88. Die Direktübertragung von „Elf 99“ von der Silvesterfeier am Brandenburger Tor wird von Ausschreitungen und einem schweren Unfall überschattet. 135 Menschen werden verletzt, als eine Videoleinwand des DDR-Fernsehens zusammenbricht, die Feiernde zum Aufstieg auf das Brandenburger Tor benutzt hatten. Ein Mensch stirbt bei dem Unglück. Bei der Neujahrsparty wird die Quadriga des Brandenburger Tors stark beschädigt. Archivnachweis

Chronik des DDR-Sports 1989

  • "Aktuelle Kamera" vom 30.11.1989, Pressekonferenz des DTSB, Klaus Eichler
  • "Sport Aktuell" vom 16.12.1989, Andreas Thom
  1. 15. November Das Zentrale Doping-Kontroll-Labor des Sportmedizinischen Dienstes der DDR in Kreischa ist Mittelpunkt einer Pressekonferenz. Die anwesenden Journalisten werden über die derzeitige Doping Situation vom stellvertretenden Direktor des Sportmedizinischen Dienstes, Manfred Höppner, der Leitung des Zentralinstituts, Rolf Donath, der Laborleitung und einigen Mitgliedern der Subkommission Antidoping (IOC) informiert.
  2. Durch eine 3:0 Niederlage im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in Wien verpasst die DDR-Mannschaft die Teilnahme an der WM-Endrunde 1990 in Italien. Archivnachweis
  3. 25. November Beim Handball-Supercup trifft die DDR im zweiten Halbfinale auf Jugoslawien. Das Spiel wird in Dortmund ausgetragen. Erstmals präsentiert sich die DDR-Mannschaft mit Trikotwerbung der Kaufhauskette „Kaufhof“. Archivnachweis
  4. 30. November Auf der zweitägigen Klausursitzung des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) wird vom Bundesvorstand das neue Präsidium vorgestellt. Als DTSB Präsident wird Klaus Eichler bestätigt. Die Tagung findet in der Sportschule Kienbaum statt. Archivnachweis
  5. 1. Dezember Erstmals muss ein Fußballspiel wegen Smog abgesagt werden. Das Spiel sollte zwischen Lok Leipzig und Dynamo Dresden ausgetragen werden. Die Smog-Einsatzstufe zwei lässt keine Veranstaltungen im Freien zu. Archivnachweis
  6. 12. Dezember In Kienbaum wird das bestehende Präsidium mit dem Sekretariat des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) und der Präsident Klaus Eichler abgewählt. Die Arbeit des DDR-Sportverbandes übernimmt, bis zu einem Sondersporttag Anfang 1990, ein aus dem DTSB rekrutierter Arbeitsausschuss. Archivnachweis
  7. 16. Dezember Bei einer Pressekonferenz im Haus des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) wird der Wechsel von Andreas Thom (Fußballer) zum Bundesligisten Bayer Leverkusen verkündet. Andreas Thom unterschreibt einen Vertrag für 2 ½ Jahre und ist damit der erste DDR-Fußballer, der nach dem Mauerfall einen Profivertrag mit einem westdeutschen Verein abschließt. Bei der Bekanntmachung wird Bayer Leverkusen von Reiner Calmund vertreten. Archivnachweis