Chronik der Politischen Ereignisse 1989

  • "Aktuelle Kamera" vom 19.01.1989, Erich Honecker
  • "Aktuelle Kamera" vom 07.05.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 13.06.1989, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl
  • "Aktuelle Kamera" vom 06.10.1989, Michail Gorbatschow
  • Kommunique des neuen SED-Generalsekretärs Egon Krenz vom 18.10.1989
  • Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden in Berlin am 04.11.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 10.11.1989, Situation am Brandenburger Tor
  • "Aktuelle Kamera" vom 23.11.1989, Grenzkontrolle Berlin-Friedrichshain
  • "Aktuelle Kamera" vom 28.11.1989, Stefan Heym
  • "Aktuelle Kamera" vom 29.11.1989, Christa Wolf
  • Gregor Gysi auf dem außerordentlichen Parteitag der SED am 08.12.1989
  • "Aktuelle Kamera" vom 19.12.1989, Helmut Kohl in Dresden
  • "Aktuelle Kamera" vom 22.12.1989, Öffnung des Brandenburger Tors
  1. 11. Januar 20 ausreisewillige DDR-Bürger verlassen nach der Zusicherung von Straffreiheit die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin. Sie hatten ihre Ausreise erzwingen wollen.
  2. 19. Januar Vor dem Thomas-Müntzer-Komitee vertritt Erich Honecker die Auffassung, dass die Mauer „in fünfzig oder hundert Jahren noch bestehen“ werde. Archivnachweis
  3. 6. Februar Bei seinem Fluchtversuch wird der 20jährige Chris Gueffroy in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar von DDR-Grenzsoldaten erschossen. Er ist das letzte Opfer des Schießbefehls an der Mauer.
  4. 3. März Die ständig in der DDR lebenden Ausländer erhalten das aktive und passive Wahlrecht bei Komunalwahlen.
  5. 8. März Bei einem Fluchtversuch aus der DDR mit einem selbst gebastelten Heißluftballon stürzt der 32-jährige Winfried Freudenberg über West-Berlin ab und erleidet tödliche Verletzungen.
  6. 12. März Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und Bundesbauminister Oscar Schneider sagen ihren geplanten Besuch bei der Leipziger Frühjahrsmesse ab. Sie protestieren damit gegen die von DDR-Soldaten zwei Tage zuvor auf flüchtende Bürger abgegebenen Schüsse.
  7. 16. März Die DDR-Regierung lädt aufgrund der Absage von Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und Bundesbauminister Oscar Schneider den Bundesumweltminister Klaus Töpfer zur Leipziger Frühjahrsmesse ein.
  8. 3. April Der Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze wird ausgesetzt.
  9. 17. April Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność wird in Polen nach langjährigem Verbot wieder zugelassen.
  10. 2. Mai Ungarn beginnt mit dem Abbau der Grenzbefestigungen zu Österreich.
  11. 7. Mai Offizielle Bekanntgabe der Ergebnisse der Kommunalwahlen in der DDR. Danach entfallen 98,85 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der Einheitslisten. Von Oppositionellen werden zum ersten Mal Kontrollen vorgenommen und vielerorts Wahlfälschung festgestellt. Archivnachweis
  12. 2. Juni Das DDR-Außenministerium erklärt, das Ergebnis der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 sei korrekt.
  13. 4. Juni Das chinesische Militär beendet gewaltsam die monatelangen Studentenproteste und die Belagerung des Platzes des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Massaker). Archivnachweis
  14. Die ersten halbfreien Wahlen in Polen finden statt. Die Gewerkschaft Solidarność geht als klarer Gewinner aus den Wahlen hervor.
  15. 7. Juni Eine Demonstration gegen die Fälschung der Kommunalwahlergebnisse wird vom Staatssicherheitsdienst aufgelöst.
  16. 8. Juni Die DDR-Volkskammer bewertet das Tiananmen-Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als "Niederschlagung einer Konterrevolution" und zeigt Verständnis für den Einsatz des Militärs. Archivnachweis
  17. 12. Juni Besuch des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow vom 12. bis 15. Juni in Bonn, bei dem er zum Abschluss erklärt: „Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben".
  18. 27. Juni In einer symbolischen Aktion zerschneiden der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock den Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze bei Sopron und öffnen damit den Eisernen Vorhang. Die Grenzsperren werden zwar beseitig, die Grenzkontrollen bleiben jedoch bestehen. In der DDR kommt es zu einem verstärkten Flüchtlingsstrom nach Ungarn.
  19. 7. Juli Auf der ersten Ostblock-Gipfelkonferenz seit 1968 in Bukarest gesteht der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow jedem sozialistischen Staat die Souveränität zu. Die so genannte Breschnew-Doktrin vom November 1968 wird damit aufgegeben.
  20. 8. August Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin wird wegen Überfüllung für den Besucherverkehr geschlossen. In der Vertretung halten sich über 130 ausreisewillige DDR-Bürger auf.
  21. 10. August Die Lufthansa eröffnet die erste deutsch-deutsche Fluglinie zwischen Leipzig und Frankfurt am Main. Da die innerdeutsche Grenze nicht überflogen werden darf, muss die Maschine einen Umweg über die CSSR fliegen.
  22. 13. August In Budapest wird die Botschaft der Bundesrepublik wegen Überfüllung geschlossen. Rund 180 DDR-Bürger versuchen über diesen Weg eine Ausreise in den Westen zu erwirken.
  23. 19. August Anlässlich des „Paneuropäischen Picknicks“ in Ungarn flüchten etwa 900 DDR-Bürger über die „grüne Grenze“ nach Österreich.
  24. 22. August Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. Rund 140 Bürger der DDR wollen über die Botschaft in den Westen aussiedeln.
  25. 24. August Durch eine einmalige humanitäre Aktion der ungarischen Regierung erhalten 108 DDR-Bürger, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik aufhalten, die Ausreisegenehmigung in den Westen. Archivnachweis
  26. 4. September Die erste Montagsdemonstration in Leipzig findet im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche statt. Die Demonstrationsteilnehmer fordern Reisefreiheit und die Abschaffung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
  27. 7. September Auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin wird gegen die Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai protestiert. DDR-Sicherheitskräfte nehmen etwa 80 Personen vorübergehend fest.
  28. 8. September Alle DDR-Bürger, die in den vergangenen Wochen Zuflucht in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin gesucht hatten, verlassen diese freiwillig. Ihnen wurde im Namen der DDR-Regierung von Rechtsanwalt Wolfgang Vogel Straffreiheit und juristische Hilfe versprochen.
  29. 10. September Veröffentlichung des Gründungsaufrufs "Aufbruch 1989 - Neues Forum".
  30. 11. September Ohne Absprache mit der DDR-Regierung lässt Ungarn in der Nacht vom 10. auf den 11. September alle ausreisewilligen DDR-Bürger die Grenze zum Westen passieren.
  31. 12. September Die DDR-Regierung protestiert gegen die Öffnung der ungarischen Grenze für Bürger der DDR und bezeichnet die Vorgänge als "organisierten Menschenhandel".
  32. Aufruf zur Gründung der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ) in der DDR.
  33. 19. September Als erste Oppositionsgruppe beantragt das Neue Forum die offizielle Zulassung als Vereinigung in der DDR.
  34. In Warschau muss die Botschaft der Bundesrepublik wegen Überfüllung mit ausreisewilligen DDR-Bürgern vorübergehend geschlossen werden.
  35. 20. September Die Zulassung des Neuen Forums als Vereinigung wird wegen angeblicher "Verfassungswidrigkeit“ abgelehnt. Archivnachweis
  36. 25. September Demonstration in Leipzig für Reformen und gegen das Verbot des Neuen Forums.
  37. 26. September Einige DDR-Bürger verlassen die Botschaft der Bundesrepublik in Prag und kehren in die DDR zurück. Es wird ihnen die Ausreise in den Westen innerhalb von sechs Monaten zugesichert.
  38. 30. September Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag, dass alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau befinden, ausreisen dürfen. Die Ausreiseerlaubnis ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Außenministern der UdSSR, DDR, CSSR, Polens und der Bundesrepublik am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Archivnachweis
  39. 1. Oktober In Ost-Berlin wird die Oppositionsgruppe Demokratischer Aufbruch (DA) gegründet.
  40. Sonderzüge aus Warschau und Prag mit DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR. DDR-Bürger versuchen auf die Züge aufzuspringen.
  41. 2. Oktober Die bisher größte Demonstration für Demokratie in Leipzig wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.
  42. 3. Oktober Die DDR-Regierung setzt den visumsfreien Reiseverkehr mit der Tschechoslowakei vorübergehend bis 11. November 1989 aus. Archivnachweis
  43. 4. Oktober Sonderzüge aus Prag und Warschau befördern erneut DDR-Flüchtlinge über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik. Auf dem Transportweg befindliche Bahnhöfe und Gleise werden gesperrt, um zu verhindern, dass DDR-Bürger auf die Züge aufspringen.
  44. Am Dresdner Hauptbahnhof kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Ausreisewilligen und DDR-Sicherheitskräften, weil tausende DDR-Bürger auf die Sonderzüge in die Bundesrepublik aufspringen wollen. Archivnachweis
  45. 7. Oktober 40. Jahrestag der DDR. Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow nimmt an den Festveranstaltungen zum Jubiläum teil und tritt vor die Presse. Er wird später mit dem Ausspruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ zitiert, den er wörtlich so nie gesagt hat. Archivnachweis
  46. In mehreren Städten der DDR finden Demonstrationen für Meinungsfreiheit und Reformen statt, die von DDR-Sicherheitskräften aufgelöst werden. Es erfolgt die Festnahme von über tausend Demonstranten.
  47. Die Sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR gründet sich in Schwante bei Berlin.
  48. 9. Oktober Rund 70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig für eine demokratische Erneuerung des Landes ("Wir sind das Volk - keine Gewalt"). Erstmals halten sich die Sicherheitskräfte zurück. Archivnachweis
  49. In Dresden empfängt Oberbürgermeister Berghofer (SED) eine Abordnung der Demonstranten, die ihm einen Forderungskatalog übergibt.
  50. 16. Oktober In Leipzig findet die bislang größte Demonstration mit mehr als 120.000 Menschen statt. Erneut halten sich die Sicherheitskräfte zurück. Archivnachweis
  51. 18. Oktober Rücktritt Erich Honeckers von all seinen Ämtern und Rücktritt des Politbüromitglieds Günter Mittag sowie des ZK-Sekretärs für Agitation und Propaganda Joachim Herrmann auf der 9. Tagung des Zentralkomitees der SED.
  52. Der neue SED-Generalsekretär Egon Krenz wendet sich über das Fernsehen mit einem Kommuniqué an die Bürger der DDR. Er räumt ein, dass die SED in den zurückliegenden Monaten die reale Lage verkannt habe und verspricht, eine "Wende" einzuleiten. Archivnachweis
  53. 23. Oktober Rund 300.000 Menschen demonstrieren in Leipzig am Abend vor der Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden. Archivnachweis
  54. 24. Oktober Die DDR-Volkskammer wählt Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Archivnachweis
  55. 27. Oktober Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und Demonstrationsteilnehmer. Archivnachweis
  56. 28. Oktober Konstituierung der DDR-Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) als landesweite Organisation
  57. 3. November Erneute Ausreisewelle von DDR-Bürgern nach Beschluss der DDR-Regierung, dass Ausreisewillige das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei verlassen können.
  58. 4. November Bei der genehmigten Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden für mehr Demokratie versammeln sich auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz über 500.000 Menschen. Es sprechen unter anderem Stefan Heym, Christoph Hein und Christa Wolf. Auf Vorbehalte stoßen Redner wie Markus Wolf und vor allem Günter Schabowski, der mehrfach ausgepfiffen wird. Das Fernsehen der DDR überträgt die Veranstaltungen direkt und unangekündigt. Archivnachweis
  59. 6. November In der Presse der DDR wird der Entwurf für ein neues Reisegesetz veröffentlicht. Nach heftiger öffentlicher Kritik verwirft der zuständige Volkskammerausschuss die Vorlage bereits am nächsten Tag. Archivnachweis
  60. In Leipzig demonstrieren hunderttausende von Bürgern der DDR für unbeschränkte Reisemöglichkeiten, die Aufgabe des Führungsanspruchs der SED und freie Wahlen.
  61. 7. November Der DDR-Ministerrat tritt geschlossen zurück. Archivnachweis
  62. 8. November Rücktritt des Politbüros auf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED. Wahl eines verkleinerten Politbüros. Egon Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. Archivnachweis
  63. 9. November Direktübertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski zum Verlauf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED mit Aussage zur Grenzöffnung. Auf eine Nachfrage erklärt Schabowski, der Beschluss trete nach seiner Kenntnis "sofort, unverzüglich" in Kraft. Archivnachweis
  64. Kurz vor Mitternacht öffnen sich die ersten Schlagbäume an der Berliner Mauer. Daraufhin drängen Tausende von Ost-Berlinern nach West-Berlin.
  65. 10. November Millionen von Bürgern der DDR besuchen nach der Maueröffnung West-Berlin und die grenznahen Städte der Bundesrepublik. Archivnachweis
  66. Bundeskanzler Helmut Kohl spricht am Abend vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin. Von dieser Kundgebung wird der SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt oft mit dem nicht gesagten Satz "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" zitiert. Archivnachweis
  67. 12. November In mehreren Städten der DDR finden Kundgebungen und „Aktivtagungen“ der SED statt, auf denen die Basis für eine "Erneuerung der Partei von unten" plädiert. Auf einer Demonstration in Dresden verabschieden SED-Mitglieder den 1. Sekretär der Bezirksleitung in Dresden Hans Modrow nach Berlin. Archivnachweis
  68. 13. November Die Volkskammer wählt Hans Modrow zum neuen Ministerpräsidenten.
  69. Rücktritt von Volkskammerpräsident Horst Sindermann. In erstmals geheimer Abstimmung wird Günther Maleuda (Vorsitzender der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands) zu seinem Nachfolger gewählt. Archivnachweis
  70. Abberufung des amtierenden Ministerrates auf der 11. Tagung der 9. Volkskammer. Die ehemaligen Mitglieder des Ministerrats Willi Stoph, Ernst Höfner, Gerhard Schürer und Erich Mielke beantworten Fragen der Abgeordneten und versuchen sich zu rechtfertigen. Originalton Erich Mielke: "Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen..." Archivnachweis
  71. 17. November Ministerpräsident Hans Modrow stellt die Mitglieder seines Kabinetts vor und kündigt in seiner Regierungserklärung weitgehende Reformen an. Archivnachweis
  72. Hans Modrow schlägt der Bundesregierung in seiner Regierungserklärung in Bezug auf die Deutschlandfrage einen Ausbau der Beziehungen hin zu einer Vertragsgemeinschaft vor. Er distanzierte sich zu diesem Zeitpunkt eindeutig von einer möglichen deutschen Wiedervereinigung.
  73. 18. November Das Ministerium für Staatssicherheit wird durch das Amt für Nationale Sicherheit ersetzt.
  74. 20. November Über 200.000 Menschen haben durch ihre Unterschrift ihre Zustimmung zum Aufruf der Oppositionsgewegung "Neues Forum" ausgedrückt.
  75. 23. November Auf Beschluss des Ministerrats werden Zollkontrollen eingeführt, um den Ausverkauf von DDR-Produkten zu verhindern. Archivnachweis
  76. 26. November Mit dem Appell „Für unser Land“ rufen Intellektuelle aus der DDR dazu auf, die Eigenständigkeit der DDR zu bewahren und eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln. Archivnachweis
  77. 28. November Bundeskanzler Helmut Kohl legt dem Bundestag sein „Zehn-Punkte-Programm“ zur Deutschlandpolitik vor. Archivnachweis
  78. 29. November Dem Appell "Für unser Land" schließen sich SED-Generalsekretär Egon Krenz sowie der DDR-Ministerpräsident Hans Modrow an.
  79. 1. Dezember Das „Zehn-Punkte-Programm“ zur Überwindung der Teilung Deutschlands wird im Bundestag ohne die Stimmen der SPD und der Grünen gebilligt. Archivnachweis
  80. Die DDR-Volkskammer beschließt auf ihrer 13. Tagung den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung zu streichen. Im Artikel 1, Absatz 1, zweiter Halbsatz wird der Passus "unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei" getilgt. Archivnachweis
  81. 3. Dezember Die 12. Tagung des Zentralkomitees der SED beschließt die Auflösung von Politbüro und Zentralkomitee sowie den Parteiausschluss von Erich Honecker, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und weiteren Funktionären. Archivnachweis
  82. Die ehemaligen Politbüromitglieder Günter Mittag und Harry Tisch sowie die Bezirkssekretäre Gerhard Müller und Hans Albrecht werden verhaftet.
  83. 4. Dezember Bürger dringen in die Gebäude des Staatssicherheitsdienstes in Erfurt, Leipzig und weiteren Orten ein, um die Vernichtung von Stasi-Akten zu verhindern. Archivnachweis
  84. 5. Dezember Die CDU der DDR und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) geben ihren Austritt aus dem "Demokratischen Block der Parteien und Massenorganisationen" bekannt.
  85. 6. Dezember Rücktritt von Egon Krenz als Staatsratsvorsitzender. Nachfolger wird der Vorsitzende der LDPD Manfred Gerlach.
  86. 7. Dezember Auftakt zum Runden Tisch mit Vertretern der fünf ehemaligen Blockparteien und sieben Oppositionsgruppierungen. Im Ergebnis des Treffens in Ost-Berlin sprechen sich die Teilnehmer für die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit aus und dafür, die ersten freien Wahlen am 6. Mai 1990 abzuhalten. Archivnachweis
  87. 8. Dezember Der außerordentliche SED-Parteitag in Ost-Berlin spricht sich gegen die Parteiauflösung aus. Archivnachweis
  88. Gregor Gysi wird auf dem außerordentlichen SED-Parteitag zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreter werden Hans Modrow und der Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer.
  89. 11. Dezember Bei den traditionellen Montagsdemonstrationen in der DDR wird der Ruf nach Wiedervereinigung lautstark erhoben.
  90. 15. Dezember Der am 12. November gewählte Lothar de Maizière wird als Parteivorsitzender der CDU in der DDR bestätigt.
  91. 16. Dezember Auf dem Sonderparteitag der SED benennt sich die Partei in SED-PDS (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus) um.
  92. Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruchs (DA) in Leipzig. Zum Vorsitzenden wird Wolfgang Schnur gewählt.
  93. 19. Dezember Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Hans Modrow vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft bei einem Treffen in Dresden. Archivnachweis
  94. Helmut Kohl hält anläßlich seiner Reise nach Dresden eine Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche.
  95. 22. Dezember Wiedereröffnung des Brandenburger Tors in Berlin. Archivnachweis
  96. 24. Dezember Die Einreise von Bundesbürgern und West-Berlinern in die DDR ist wieder ohne Visum und Zwangsumtausch möglich.