Chronik der Politischen Ereignisse 1990

  • "Aktuelle Kamera" vom 15.01.1990, Stürmung der Stasi-Zentrale in Ost-Berlin
  • Aktuelle Kamera vom 16.02.1990, Pressekonferenz Bündnis 90 zum Wahlbündnis
  • "Aktuelle Kamera" vom 10.02.1990, Helmut Kohl und Michail Gorbatschow
  • "AK am Abend" vom 14.03.1990, Vorbereitende Zwei-plus-Vier-Gespräche in Bonn
  • "AK am Abend" vom 18.03.1990, Hochrechnung der Wahlergebnisse
  • "AK am Abend" vom 27.04.1990, Renate Krawielicki zum Staatsvertrag
  • Direktübertragung der Unterzeichnung des Staatsvertrags am 18.05.1990
  • "AK am Abend" vom 17.04.1990, Referendum zur Rückbenennung in Chemnitz
  • "AK am Abend" vom 07.06.1990, Verhaftung von Susanne Albrecht
  • "AK am Abend" vom 13.06.1990, Abriss der Berliner Mauer
  • "controvers" vom 01.07.1990, Sparkasse in Berlin
  • "Ak am Abend" vom 15.07.1990, Gorbatschow und Kohl begrüßen sich in Moskau
  • Volkskammertagung vom 23.08.1990, Sabine Bergmann-Pohl
  • "AK am Abend" vom 12.09.1990, Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Zwei-plus-Vier-Gespräche
  • "AK am Abend" vom 02.10.1990, Verabschiedung der Westalliierten in Berlin
  • "AK am Abend" vom 03.10.1990, Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung
  1. 11. Januar Das neue Reisegesetz, das den DDR-Bürgern Reisefreiheit einräumt, wird von der Volkskammer der DDR verabschiedet.
  2. 13. Januar Die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) beschließt auf ihrer ersten Landesdelegiertenkonferenz in Ost-Berlin die Umbenennung in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Archivnachweis
  3. 15. Januar Demonstranten stürmen die Zentrale des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes in der Ost-Berliner Normannenstraße. Archivnachweis
  4. Ministerpräsident Hans Modrow nimmt erstmals an einer Sitzung des Zentralen Runden Tisches teil. Er schlägt dem Runden Tisch die Zusammenarbeit mit der DDR-Regierung vor. Archivnachweis
  5. 20. Januar Die Mehrheit des Parteivorstandes der SED-PDS entscheidet sich gegen eine Auflösung der Partei. Beschlossen wird die Abschaffung des Parteiabzeichens und des Parteisymbols. Archivnachweis
  6. Die Zentrale Schiedskommission der SED-PDS schließt Hans-Joachim Böhme, Horst Dohlus, Kurt Hager, Joachim Herrmann, Werner Jarowinsky, Heinz Keßler, Egon Krenz, Ingeborg Lange, Erich Mückenberger, Margarete Müller, Alfred Neumann, Günter Schabowski, Gerhard Schürer und Werner Walde aus der Partei aus.
  7. Gründung der Deutschen Sozialen Union (DSU) durch zwölf christlich-liberale und konservative Gruppen in Leipzig. Archivnachweis
  8. 21. Januar Der stellvertretende Parteivorsitzende und Oberbürgermeister Dresdens Wolfgang Berghofer tritt mit weiteren 39 Mitgliedern aus der Partei SED-PDS aus. Archivnachweis
  9. 29. Januar Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR Erich Honecker wird aus dem Krankenhaus entlassen und kommt in Untersuchungshaft. Er wird kurze Zeit später aus gesundheitlichen Gründen wieder frei gelassen.
  10. 1. Februar Das "Gesetz über Reisen von Bürgern der Deutschen Demokratischen Republik in das Ausland" tritt offiziell in Kraft.
  11. Ministerpräsident Hans Modrow stellt sein Konzept "Für Deutschland einig Vaterland" vor. Dieses sieht eine stufenweise Wiedervereinigung vor: Von einer Vertragsgemeinschaft über eine Konföderation zu einer Übertragung von Souveränitätsrechten auf die Konföderation. Archivnachweis
  12. 3. Februar Der Ministerpräsident der DDR, Hans Modrow, und der Bundeskanzler der BRD, Helmut Kohl, führen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos ein Gespräch über die Lage in der DDR und die bilateralen Beziehungen.
  13. 4. Februar Der Parteivorstand der SED-PDS beschließt die Namensänderung der Partei in PDS.
  14. Gründung der Freien Demokratischen Partei (F.D.P.) in der DDR. Archivnachweis
  15. 5. Februar Die Parteien CDU (DDR), DSU und DA einigen sich in Berlin darauf, für die Volkskammerwahl am 18. März das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" zu bilden. Archivnachweis
  16. Ein Gesetz zur Meinungs-, Informations- und Medienfreiheit wird beschlossen. Somit unterstehen Rundfunk, Fernsehen und die Nachrichtenagentur ADN nicht mehr der Regierung. Das Fernsehen der DDR wird zu einer politisch unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt. Archivnachweis
  17. Auf Vorschlag von Ministerpräsident Hans Modrow wählt die Volkskammer der DDR acht Politiker aus neuen Parteien und Vereinigungen zu Ministern ohne Geschäftsbereich in den Ministerrat. Archivnachweis
  18. 7. Februar Die DDR-Oppositionsgruppen Neues Forum, Demokratie Jetzt und Initiative Frieden und Menschenrechte schließen sich für die Volkskammerwahl zur Listenverbindung "Bündnis 90" zusammen. Archivnachweis
  19. 9. Februar Vom 9. bis 20. Februar werden zum ersten Mal die 40. Internationalen Berliner Filmfestspiele (Berlinale) in beiden Teilen der Stadt veranstaltet.
  20. 10. Februar Treffen zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow in Moskau. Die UdSSR signalisiert, einer Wiedervereinigung Deutschlands nicht im Weg zu stehen. Archivnachweis
  21. 13. Februar DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und Bundeskanzler Helmut Kohl vereinbaren in Bonn die Einsetzung einer gemeinsamen Kommission zur Vorbereitung der Währungs- und Wirtschaftsunion. Archivnachweis
  22. 20. Februar Die Volkskammer der DDR beschließt ein neues Wahlgesetz. Danach sollen in der Volkskammer statt 500 nur noch 400 Abgeordnete sitzen, die frei, allgemein, gleich, direkt und geheim gewählt werden. Als Wahltermin wird der 18. März 1990 festgesetzt. Archivnachweis
  23. 1. März Der DDR-Ministerrat beschließt die Umwandlung aller Kombinate in Kapitalgesellschaften und die Einrichtung der Treuhandanstalt für die Verwaltung von Volkseigentum. Archivnachweis
  24. 10. März Erstmals seit Kriegsende fliegt eine Lufthansa-Maschine wieder direkt von Frankfurt am Main nach Leipzig. Ohne Umweg über die CSSR benötigt sie statt bisher 100 Minuten nur noch rund 40 Minuten für die um 300 Kilometer verkürzte Strecke.
  25. 12. März Der Zentrale Runde Tisch beendet mit seiner 16. Sitzung im Konferenzgebäude des Berliner Schlosses Niederschönhausen seine Arbeit und spricht sich gegen eine Übernahme des Grundgesetzes der Bundesrepublik für die DDR aus. Archivnachweis
  26. In Leipzig findet die letzte Montagsdemonstration statt.
  27. 14. März Vorbereitende Zwei-plus-Vier-Gespräche auf Beamtenebene über die deutsche Einheit mit Vertretern beider deutscher Staaten und den Alliierten in Bonn. Archivnachweis
  28. Der Vorsitzende des Demokratischen Aufbruchs (DA) Wolfgang Schnur bestätigt, als Inoffizieller Mitarbeiter für den Staatssicherheitsdienst der DDR tätig gewesen zu sein und tritt von seinem Amt zurück. Archivnachweis
  29. 18. März Erste und einzige freie Volkskammerwahlen der DDR mit einem Wahlsieg der konservativen „Allianz für Deutschland“, ein Wahlbündnis aus CDU, DSU und DA mit 48,15 Prozent. Archivnachweis
  30. 2. April Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der DDR-SPD Ibrahim Böhme tritt von seinen Ämtern zurück, nachdem Vorwürfe zur Mitarbeit für den Staatssicherheitsdienst der DDR gegen ihn erhoben wurden. Archivnachweis
  31. 5. April In der konstituierenden Sitzung der neu gewählten Volkskammer der DDR wird Sabine Bergmann-Pohl (CDU) zur Präsidentin der Volkskammer gewählt. Der CDU-Vorsitzende Lothar de Maizière wird mit der Regierungsbildung beauftragt. Archivnachweis
  32. 12. April Die Volkskammer der DDR wählt Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten der DDR. Archivnachweis
  33. Die Volkskammer der DDR wählt die Regierung der Großen Koalition aus den Parteien CDU, Deutsche Soziale Union (DSU), Demokratischer Aufbruch (DA), SPD und Bund Freier Demokraten - Die Liberalen (BFD). Archivnachweis
  34. 27. April In Ost-Berlin beginnen die offiziellen Verhandlungen zum deutsch-deutschen Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Archivnachweis
  35. 30. April Erstes offizielles Treffen des Deutschen Bundestags und der Volkskammer durch ihre Vertreter, der DDR-Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl und der Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Archivnachweis
  36. 5. Mai Das erste Außenministertreffen der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit findet in Bonn statt. Archivnachweis
  37. 6. Mai Erste freie Kommunalwahlen in der DDR. Die CDU erlangt den höchsten Stimmanteil mit 34,4 Prozent, gefolgt von der SPD mit 21,3 Prozent und der PDS mit 14,6 Prozent.
  38. 18. Mai Bundesfinanzminister Theodor Waigel und der DDR-Finanzminister Walter Romberg unterzeichnen den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Archivnachweis
  39. 21. Mai Der erste in der DDR gefertigte VW-Polo läuft im Automobilwerk Zwickau vom Band.
  40. 1. Juni Die Stadtverordnetenversammlung von Karl-Marx-Stadt beschließt die Rückbenennung der Stadt in Chemnitz. Bei einer im April durchgeführten Volksabstimmung sprachen sich mehr als 75 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung für die Rückbenennung ihrer Stadt in Chemnitz aus. Archivnachweis
  41. 6. Juni Die mutmaßliche RAF-Terroristin Susanne Albrecht wird durch die Kriminalpolizei der DDR verhaftet. Archivnachweis
  42. 13. Juni Die DDR-Grenztruppen beginnen mit dem endgültigen Abriss der Berliner Mauer. Archivnachweis
  43. 21. Juni Die Volkskammer der DDR und der Deutsche Bundestag verabschieden den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie die völkerrechtliche Anerkennung der polnischen Westgrenze. Archivnachweis
  44. 22. Juni In Ost-Berlin beginnt die zweite Runde der Zwei-plus-Vier-Gespräche. Archivnachweis
  45. 1. Juli Inkrafttreten der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Die Deutsche Mark wird das offizielle Zahlungsmittel in der DDR. Archivnachweis
  46. 6. Juli In Ost-Berlin beginnen die Verhandlungen zum Einigungsvertrag. Archivnachweis
  47. 16. Juli Michail Gorbatschow und Helmut Kohl einigen sich nach zweitägigen Gesprächen in Moskau und im Kaukasus über die volle Souveränität des vereinten Deutschlands und die freie Wahl der Bündniszugehörigkeit. Archivnachweis
  48. 17. Juli Beginn der dritten Runde der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen in Paris. Bestätigung der Oder-Neiße-Grenze als polnische Westgrenze. Archivnachweis
  49. 20. Juli Neue Vereidigung der Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA). Zum ersten Mal in der Geschichte der DDR verpflichten sich die NVA-Soldaten nicht mehr, den Sozialismus zu verteidigen. Archivnachweis
  50. 22. Juli Die Volkskammer verabschiedet ein Ländereinführungsgesetz. Damit entstehen die fünf Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Archivnachweis
  51. 24. Juli Die Fraktion der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) tritt aus der Regierungskoalition aus, weil keine Einigung über den Beitrittstermin der DDR zur BRD und über den Wahlmodus erzielt wird.
  52. 13. August Die Rolling Stones treten zum ersten Mail in der DDR auf. Am Jahrestag des Mauerbaus findet das Konzert an der Weißenseer Radrennbahn in Ost-Berlin statt. Archivnachweis
  53. 15. August Der Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, entläßt Finanzminister Walter Romberg (SPD), Landwirtschaftsminister Peter Pollack (parteilos, für die SPD), Wirtschaftsminister Gerhard Pohl (CDU) und Justizminister Kurt Wünsche (parteilos, vormals F.D.P.). Die Ressorts werden von Staatssekretären geleitet.
  54. 19. August Die SPD verlässt die Regierungskoalition und Ministerpräsident Lothar de Maizière verliert die Regierungsmehrheit. Die Liberalen hatten bereits am 24. Juli der Regierung ihre Unterstützung entzogen, ohne jedoch ihre Minister aus dem Kabinett zurückzuziehen. Archivnachweis
  55. 22. August Das Wahlgesetz für die erste gesamtdeutsche Wahl zum Bundestag wird von der Volkskammer der DDR nochmals beraten und mit Zweidrittelmehrheit beschlossen. Archivnachweis
  56. 23. August Die Volkskammer der DDR beschließt mit Wirkung vom 3. Oktober 1990 den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23. Archivnachweis
  57. 24. August Die Volkskammer der DDR beschließt ein Gesetz über die Sicherung und Nutzung der personenbezogenen Daten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit und des Amtes für Nationale Sicherheit (MfS/AfNS). Archivnachweis
  58. 31. August Der Vertrag zwischen der DDR und der BRD über die Herstellung der Einheit Deutschlands wird im Kronprinzenpalais in Ost-Berlin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Ministerpräsident Günther Krause unterzeichnet. Archivnachweis
  59. 4. September Bürgerrechtler besetzen die Zentrale des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Ost-Berlin und fordern klare Regelungen über den Verbleib der Akten sowie deren Verwendung. Archivnachweis
  60. 12. September In der abschließenden Runde der Zwei-plus-Vier-Gespräche über die äußeren Aspekte der deutschen Vereinigung wird der "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" von den Außenministern der vier Siegermächte, der BRD und der DDR in Moskau, im Beisein des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, unterzeichnet. Archivnachweis
  61. 20. September Der Einigungsvertrag wird mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit von der Volkskammer der DDR und vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Archivnachweis
  62. 21. September Der Bundesrat stimmt dem Einigungsvertrag zu.
  63. 24. September In Ost-Berlin unterzeichnen DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann und der sowjetische Oberkommandierende des Warschauer Paktes General Pjotr Luschew den Austritt der DDR aus dem Warschauer Pakt. Archivnachweis
  64. 2. Oktober Verabschiedung der westalliierten Stadtkommandanten aus Berlin. Der Besatzungsstatus Berlins wird nach 45 Jahren beendet. Archivnachweis
  65. Die 38. und letzte Tagung der Volkskammer der DDR wird in einem Festakt im Berliner Staatsratsgebäude begangen. Archivnachweis
  66. Offizielle Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA). Archivnachweis
  67. 3. Oktober Die DDR tritt der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes bei. Archivnachweis
  68. 4. Oktober Der erste gesamtdeutsche Bundestag konstituiert sich im Berliner Reichstagsgebäude. Archivnachweis